Wir stehen auf ihren Schultern

Im Bereich Forschung und Entwicklung (FuE) liegt der Anteil von Frauen am gesamten FuE-Personal (wissenschaftliches, technisches und sonstiges Personal) bei ca. 27 %. Bei den Forschenden liegt der Frauenanteil lediglich bei ca. 23 %.
Deutliche Unterschiede bestehen zwischen den Sektoren. So lag 2017 der Frauenanteil am gesamten FuE-Personal in den Hochschulen bei fast 43 %,
im Staatssektor bei ca. 41 % und im Wirtschaftssektor nur bei ca. 19 % (Bundesbericht Forschung und Innovation, 2020 | PDF).


Die Sichtbarkeit der Leistungen von Frauen hat zwar in den letzten Jahren zugenommen, ist aber leider immer noch nicht zufriedenstellend. Unser Anliegen dieser Aktion ist es, die Leistungen unserer Mitstreiterinnen, Vorreiterinnen, Vorkämpferinnen usw. anzuerkennen – wissend, dass wir auf ihren SCHULTERN STEHEN und niemand von uns das Patentrezept für „den richtigen“ Feminismus erfunden hat. Denn nur GEMEINSAM können wir für eine bessere Welt und ein besseres Dasein für Frauen und Mädchen kämpfen und streiten.

Wir als Verein Fraueninitiative Courage wollen dazu beitragen, dass sich daran was ändert und stellen dir auf dieser Seite einige der Frauen vor, auf deren SCHULTERN WIR STEHEN.

(Diese Seite wird nach und nach mit weiteren Kurzbiografien angereichert.)

Gern möchten wir auch von dir erfahren,
auf wessen Schultern du stehst?

Sende uns deine Karte mit deinem Vorschlag (die findest du unter anderem bei uns im Volksbad Buckau) und  deinen Kontakdaten (E-Mail) an uns. Unter allen Einsendungen, die bis zum 28.02.2023 (persönlich oder auf dem Postweg) bei uns eingehen verlosen wir drei Überraschungspakete.

Nach dem Einsendedatum ziehen wir die Gewinner*innen und setzen uns mit ihnen in Verbindung. Also Mail nicht vergessen 🙂
(Diese Verlosung ist vom Rechtsweg ausgeschlossen.)

 

Jane Addam (Jane Laura Adams) | Maya Angelou | May Ayim | Laura Bassi | Minna Bollmann | Louise Bourgeois | Laura Brigdman | Rosa Genoni | Zaha Hadid | Norah Hantzsch alias Sookee | Concordia Hartmann | Katharina Heise | Siri Hustvedt | Hilma af Klint | Hedwig Krüger | Erna Lauenburger | Edmonia Lewis | Maryam Mirzakhani | Anja Niedringhaus | Helene Nonné-Schmidt | Katharina von Oheimb | Annette Otterstedt | Luise F. Pusch | Maria Reiche | Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray | Nikki de Saint Phalle | Eva Schulze-Knabe | Betye Irene Saar | Elke Schilling | Franziska Schutzbach | Amrita Sher-Gil | Huda Shaarawi | Ethel Smyth | Christina Thürmer-Rohr | Lydia Wahlström | Berta Waterstradt | Liselotte Welskopf-Henrich

Jane Addam (Jane Laura Adams)

🎂 geboren: 6. September 1860 in Cedarville, Illinois
🪦 gestorben: 21. Mai 1935 in Chicago, Illinois

Jane Addams‘ Aufgabenfeld umfasste sehr viele Bereiche. Ihr Lebenswerk besteht unter anderem aus dem Hull House, in dem soziale Schichten aufgebrochen werden und benachteiligten Menschen Hilfe zur Selbsthilfe angeboten wurde. Außerdem war sie Mitbegründerin bzw Mitglied in einigen wichtigen frauenrechtlichen Organisationen: 1911 Mitbegründerin der National Foundation of Settlements and Neighborhood Centers, Mitbegründerin der American Civil Liberties Union und National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), Mitglied bei der American Anti-Imperialist League und der American Sociology Association.
Zeit ihres Lebens litt sie an chronischen Rückenschmerzen aufgrund einer problematischen Operation und sie starb an den Folgen einer Krebsoperation.
Sie lebte, obwohl es zu ihrer Zeit nicht erlaubt war, in einer von ihr stets betonten Ehe mit Mary Rozet Smith.

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Maya Angelou (geb./née Marguerite Ann Johnson)

🎂 geboren: 4. April 1928 in St. Louis, Missouri
🪦 gestorben: 28. Mai 2014 in Winston-Salem, North Carolina

Maya Angelou war stark autobiographisch tätig und schrieb von ihrem Leben als schwarze Frau in einer rassistischen und misogynen Gesellschaft.
Sie hatte eine teils sehr traumatische Kindheit und gebahr ihren Sohn mit 16. Da sie unbedingt mit ihm auf eigenen Beinen stehen wollte, nahm sie viele Jobs an. Sie wurde die erste afro-amerikanische Straßenbahnschaffnerin San Franciscos, sie kellnerte, arbeitete als Tänzerin, zeitweilig sogar Zuhälterin und Prostituierte. Nachdem sie als Tänzerin und Sängerin in Europa tourte, war sie zurück in den USA und zwischenzeitlich in Afrika zunehmend schriftstellerisch und aktivistisch tätig.

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Alice Austen (Elizabeth Alice Munn)

🎂 geboren: 17. März 1866
🪦 gestorben: 1952

Alice Austen war eine der ersten Fotografinnen der Welt.
Sie bekam schon früh eine Kamera von ihrem Onkel, die sie schnell meisterte, und über den Zeitraum ihres Lebens fertigte sie über 8.000 Fotografien an, von denen heute noch über 3.500 erhalten sind.
Sie befand sich in einer privilegierten Position – sie wuchs in Nachbarschaft mit den Roosevelts auf – , was ihr ermöglichte, sich den damaligen weiblichen Geschlechterrollen zu entziehen und ihrer Leidenschaft volle Aufmerksamkeit zu geben.
Sie arbeitete außerhalb eines Studios und war stark an dokumentarischer Fotografie interessiert, damals noch ein eher ungewöhnliches Feld.

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May Ayim (aufgewachsen unter dem Namen Sylvia Brigitte Gertrud Opitz)

🎂 geboren: 3. Mai 1960 in Hamburg als Sylvia Andler
🪦 gestorben: 9. August in Berlin

Maya Ayim war Tochter von Ursula Andler und dem ghanaischen Medizinstudenten Emmanuel Ayim. Da ihr Vater sie nicht mit zurück nach Ghana nehmen durfte, wuchs sie zunächst 1,5 Jahre in einem Kinderheim auf, bevor sie von der Familie Opitz adoptiert wurde. Diese wollte sie mit Strenge zu einem Musterkind entgegen aller Vorurteile gegen Schwarze erziehen und lehnte ihr späteres Engagement in der „Black Community“ ab.
Sie schloss ein Studium der Pädagogik und Psychologie mit Diplom ab. Ihre Diplomarbeit über Afro-Deutsche wurde von ihrem Professor zunächst mit der Begründung abgelehnt, „Rassismus {gäbe} es im heutigen Deutschland nicht“, bis sie eine Prüferin in Berlin fand.
Seit sie in Berlin wohnte, fühlte sie sich weniger isoliert – zu ihrem Vater in Kenia konnte sie keine Beziehung mehr aufbauen, und in Ghana galt sie als „die Weiße“.
In „Farbe bekennen“ schrieb sie von dem ständigen Druck, mit ihrer Hautfarbe beweisen zu müssen, dass sie ein vollwertiger Mensch ist.
Sie erlitt aufgrund des emotionalen und ihres arbeitsbezogenen Drucks eine psychotische Krise, hielt sich zwei Mal in einer psychatrischen Klinik auf und wurde dort mit dem Verdacht auf multiple Sklerose konfrontiert. Am 9.8.1996 nahm sie sich selbst das Leben.

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Laura Bassi

🎂 geboren: 29. Oktober 1711 in Bologna
🪦 gestorben: 20. Februar 1778 in Bologna

Laura Bassi war das einzige lebende Kind ihrer Eltern. Sie lernte früh das Lesen und Schreiben, und interessierte sich für jedes ihr in den Schoß fallende Buch. Zusätzlich wird sie in Latein und Französisch unterrichtet.
Ihre Begabung zunächst geheim gehalten, war Laura Bassi später die erste Frau, die in die Akademie von Bologna aufgenommen wurde.
Mit zwölf schrieb sie fehlerfreie Texte in Französisch und Latein, woraufhin der Hausarzt sie in Metaphysik, Naturphilosophie, Logik und der Kunst der Disputation unterrichtet.
Ihrer ersten Disputation verdankt sie ihre Ehrenmitgleidschaft in der Bologneser Akademie. Sie erhält wenig später auch eine Promotion und eine Professur. Dabei galt jedoch zunächst ein „Vorlesungsverbot“, das sie allerdings bis zu dessen Aufhebung längst mit privaten und gut besuchten Referaten umgangen hat.
Ihr Wissen ist außerordentlich breit gefächert und sie profilierte sich als eine der angesehensten Experimentalphysiker:innen Italiens.
Mit 64 Jahren erlangte sie endlich eine Physikprofessur, jedoch starb sie zwei Jahre später an Herzversagen.

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Minna Bollmann (Minna Zacharias)

🎂 geboren: 31. Januar 1876 in Halberstadt
🪦 gestorben: 9. Dezember 1935 ebenda

Minna Bollmann machte als Tochter eines Schneidermeisters, einer der Gründer der SPD in Halberstadt, selbst eine Schneiderinnenlehre und arbeitete bis zu ihrer Eheschließung mit dem Gastwirt Max Bollmann auch als Schneiderin in Berlin. Danach betrieb sie gemeinsam mit ihm das Lokal seiner Mutter, unter deren Aufsicht bereits die SPD Versammlungen dort abhielt. Dies setzte sich bei Minna fort.
Seit etwa 1900 engagierte sie sich in der Frauenarbeit der Partei und erlangte auch überregionale Bekanntheit. Während des I. Weltkrieges betreute sie das soziale Hilfswerk für Kriegerfrauen, Witwen und Waisen und war Bezirkspflegerin der Kriegsfürsorge.
Sie nahm weiterhin wichtige Positionen in der Partei ein und war ebenfalls Mitglied der Weimarer Nationalversammlung nach der Einführung des aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen und war damit eine der ersten Frauen im deutschen Nationalparlament. Sie wurde 1921 als Spitzenkandidatin der preßischen Landtagswahl für den Bezirk Magdeburg gewählt.
Ihr Lokal wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erneut illegaler Treffpunkt und infolgedessen auch überwacht.
Minna Bollmann litt wegen der Vorkommnisse unter Depressionen und fürchtete um ihr Leben, weswegen sie letztendlich Selbstmord beging.

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Louise Bourgeois

🎂 geboren: 25. Dezember 1911 in Paris
🪦 gestorben: 31. Mai 2010 in New York City

Das nach außen hin freundliche und gut situierte Elternhaus ermöglichte Louise eine solide Schulbildung und die Möglichkeit, in der Werkstatt ihrer Eltern auszuhelfen und dabei das Handwerk der Restauration von Wandteppichen zu erlernen.
Ihr Vater war charmant, aber unzuverlässig und unterhielt mehrere Affären, worunter die gesamte Familie litt. Nach einem durch ihren Vater vereitelten Selbstmordversuch kurz nach dem Tod der Mutter, schrieb sich Louise an mehreren pariser Kunstschulen ein, wo ihr bildhauerisches Talent entdeckt wurde. Sie begann mit Holzstelen und ging später zu Gips und Latex über, aus denen sie organische Formen bildete, entgegengesetzt zum abstrakten und popartigen Zeitgeist.
Sie reiste regelmäßig nach Italien und arbeitete dort in Marmorbrüchen und Gießereien.
Nachdem ihr Mann gestorben war, setzte sie sich mit ihrer Vergangenheit auseinander und veerarbeitete so ihre Trauer. Dadurch entstanden einige recht verstörende Rauminstallationen, mit denen sie „verschiedene Arten von Schmerz“ darzustellen gedachte.
Erst mit über 70 wurde sie durch eine vom MoMa ausgerichtete Ausstellung einem breiteren Publikum bekannt, das ihre Aussagekraft schätzte. Trotz Beteiligungen an der Documenta und der Biennale in Venedig arbeitete sie bis zuletzt in ihrem New Yorker Studio.

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Laura Brigdman

🎂 geboren: 21. Dezember 1829 in Hanover, New Hampshire
🪦 gestorben: 24. Mai 1889 in Boston, Massachusetts

Laura Brigdman gilt als die erste bekannte Person, die aus der durch ihre Taubblindheit verursachte Isolation befreit werden konnte. SIe kam gesund zur Welt.
Aufgrund einer Scharlacherkrankung im Alter von zwei Jahren verlor sie Augenlicht und Gehör, sowie Geruchs- und damit auch Geschmackssinn. Zwar entwickelte sie Zeichen, um sich verständlich machen zu können, allerdings gelang das häufig nicht wie gewünscht, was bei ihr in Wutausbrüchen mündete. Mit sieben Jahren kam sie sie in das Perkins-Blindeninstitut. Dort lernte sie durch das Tasten von Gegenständen und dazugehörigen Schildern mit geprägten Buchstaben die Sprache – die damals neue Braille-Schrift wurde von ihrem Lehrer abgelehnt. Ironischerweise erkannte sie ausgerechnet mit einem Schlüssel (und dem Begriff „key“), dass die Prägung den Namen des Gegenstandes darstellte. Sie erlernte das Fingeralphabet für Gehörlose und eine Art Druckschrift, die mit Bleistift geschrieben wird. Bei einem Besuch war Charles Dickens so von ihr inspiriert, dass er ihr ein Kapitel in „American Notes“ widmete.
Sie verbrachte ihr Leben in der Blindenschule, wo sie las Handarbeitslehrerin tätig war.
Später überflügelte Helen Keller, eine Frau mit ähnlichen Konditionen, sie in ihren Leistungen, jedoch bleibt zweifelsfrei, dass Laura Bridgman die Wegbereiterin für deren Handeln war.

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Rosa Genoni (Rosa Angela Caterina Genoni)

🎂 geboren: 16. Juni 1867 in Tirano, Italien
🪦 gestorben: 12. August 1954 in Varese, Italien

Als Ältestes von 18 Kindern war Rosa Genoni gezwungen, schon mit 10 Jahren die Schule zu verlassen und einen Teil zum Verdienst der Familie beizutragen. Darum begann sie im Schneideraltelier eines Verwandten in Mailand eine Lehre und schloss diese mit einem Meisterdiplom ab. Dort fand sie auch Anschluss an Arbeiterkreise mit sozialistischen Ansichten. Von der kurz zuvor gegründeten Arbeiterpartei Italiens wurde sie 1884 nach Paris entsandt. Bei der Arbeit, die sie in Paris fortsetzte, kam sie mit der dortigen Modewelt in Kontakt.
Sie machte Karriere, nachdem sie nach Mailand zurückgekehrt war, indem sie die Anregungen aus Paris auf ihre Weise verarbeitete und so die italienische Modeindustrie mitentwickelte. Ab 1905 unterrichtete sie an der Gewerbeschule für Mädchen, zur mailändischen Weltausstellung 1906 erlangte sie einen Preis für zwei ihrer Kleider.
Sie war aktivistisch tätig, indem sie sich für eine bessere Stellung von Arbeiterinnen und bessere Mädchenbildung einsetzte. Unter Anderem vertrat sie auch den italienischen Frauenverband beim Internationalen Frauenfriedenskongress in Den Haag 1915.
Wegen der Überwachung während der Anfangszeit des italienischen Faschismuszog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück.

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Zaha Hadid

🎂 geboren: 31. Oktober 1950 in Bagdad
🪦 gestorben: 31. März 2016 in Miami, Florida

Wie die meisten Frauen, die es zu Erfolg in männerdominierten Sparten bringen, musste auch Zaha Hadid sich zeitlebens mit klischeebehafteten Kommentaren zu ihrer Kleidung herumschlagen, musste es ertragen, dass man sie als „tyrannisch“ bezeichnete, während Kollegen mit ähnlichen Verhaltensweisen als „durchsetzungsfähig“ gelten.
Zaha Hadid wuchs in gutem Elternhaus in Bagdad auf, ihre Eltern ermöglichten ihr und ihren zwei Brüdern eine hervorragende und weltoffene Bildung. Sie erlebte in ihrer Heimatstadt einen Schub der Modernisierung, in ihrer Kindheit war Bagdad ein Spielplatz für Architekten wie Frank Lloyd Wright, Walter Gropius und Le Corbusier. Bereits damals steht für sie fest, dass sie Architektin werden will. Nach ihrer Schulzeit folgten einige Semester Mathematikstudium in Beirut, bis sie schließlich auf Architektur umschwenkte und nach London an die Architecture Association School wechselte. Nach dem Abschluss fing sie an, für Rem Koolhaas zu arbeiten, gleichzeitig nahm sie einen Lehrauftrag an ihrer Alma Mater an. 1980 gründete sie ihr eigenes Architekturbüro – trotzdem galt sie nach wie vor als „Papierarchitektin“, ihre Entwürfe galten als nicht umsetzbar. Bis der Möbelhersteller Vitra sie mit dem Bau einer Feuerwache beauftragte. Damit konnte sie beweisen, dass ihre Entwürfe durchaus gebaut werden konnten. Daraufhin bekam sie mehr Aufträge und hörte Zeit ihres Lebens nicht mehr mit dem Bauen auf. Auch Preise häufte sie an, wie 2004 als erste Frau den Pritzker-Preis.

Mehr über Zaha Haid erfahren.

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Norah Hantzsch aka Sookee aka Quing of Berlin aka Sukini

🎂 geboren: 29. Dezember 1983 in Pasewalk

Aus dem heutigen Mecklenburg-Vorpommern stammend, sind ihre Eltern DDR-Flüchtlinge, ihr Vater war im Gefängnis, weil er den Dienst an der Waffe verweigerte. Sie selbst wohnt seit 1986 in West-Berlin und studierte Germanistik und Gender Studies.
Sie stellt sich offen und vehement gegen den Heteronormativität im Hip Hop. Auch die Frauenfeindlichkeit, den Sexismus und die niedrige Anzahl nicht-männlicher Künstler*innen prangert sie an. So unsterstützt sie bis heute Vereine und Aktionen, wie beispielsweise Pinkstinks Germany. Sie ist Mitglied der Supercrew „Tick Tick Boom“, von der sie immer betont, dass sie nicht zur Belehrung mit dem erhobenen Zeigefinger oder gar das Durchsetzen von Verboten in der Szene da sei, sondern eine Erweiterung des Rap-Genres. Sie möchte sich nicht moralisch über andere erheben, sondern mit Aufklärung und Einsicht arbeiten – ideologische Dogmen lehnt sie, im Gegensatz zu Prinzipien, vehement ab. Seit 2019 kehrte sie ihrer Rap-Karriere den Rücken zu, möchte aber weiter unter ihrem Pseudonym „Sukini“ Musik für Kinder und Jugendliche machen.

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Concordia Hartmann

🎂 geboren: 20. Mai 1880 in Erfurt
🪦 gestorben 02. Juli 1961 in Magdeburg

Concordia Hartmann gehörte der SPD an und war von 1919 bis 1933 im Stadtparlament von Magdeburg vertreten, später auch im Provinziallandtag. Sie war stark sozialpolitisch tätig und Vorstehende des Heims zur Unterstützung von Arbeiterkindern, das sie selbst gegründet hatte. Außerdem leitete sie seit deren Gründung 1919 auch die Arbeiterwohlfahrt in Magdeburg.
1933 wurde sie arbeitslos und musste infolgedessen auch ihre Dienstwohnung verlassen.
Concordia war stets für ihren engagierten Kampf gegen die NSDAP bekannt und geschätzt.

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Katharina Heise (Pseudonym: Karl Luis Heinrich-Salze)

🎂 geboren: 03. Mai 1891 in Groß Salze (heute Schönebeck-Bad Salzelmen)
🪦 gestorben: 05. Oktober 1964 in Halle (Saale)

Katharina Heise war die Tochter eines durch Landverkauf vermögenden Bauern, was ihr eine höhere Schulbildung einbrachte. Sie machte zunächst eine Ausblidung für Buchhaltung, Schreibmaschine und Stenografie. Danach allerdings besuchte sie die Kunstgewerbeschule in Magdeburg, anschließend studierte sie in Dresden bei Ferdinand Dorsch – hier hatte sie Kontakt zur Künstlergruppe „Brücke“.
1913/14 reiste sie zusammen mit ihrer Schwester zu Studienzwecken nach Paris, dort besuchten sie zahlreiche Kurse. Nach der Rückkehr nach Berlin wurden ihre Pläne für einen weiteren Besuch in Paris vom Beginn des ersten Weltkrieges zunichte gemacht.
Sie und ihre Schwester mieteten ein Atelier in Berlin. Ihre Karriere begann Katharina mit der Veröffentlichung von Holzschnitten, später, nachdem Käthe Kollwitz ihr die Bildhauerei empfohlen hatte, machte sie auch hiermit auf ihre Kunst aufmerksam. Bis 1931 allerdings veröffentlichte sie ausschließlich unter ihrem männlichen Pseudonym.
Katharina Heise gehörte dem Frauenkunstverein Berlin an. Ihre Kunst erregte Aufsehen, brachte Kontroversen und Diskussionen hervor. Die Nationalsozialisten bezeichneten ihr Werk als „entartete Kunst“, weswegen sie sich aus der Öffentlichkeit und nach Schönebeck zurückzog. Nach 1945 schuf sie vor allem Kleinplastiken mit christlichen Motiven, erlangte jedoch nie wieder die gleiche Aufmerksamkeit wie vor dem Krieg.
Obwohl sie wollte, dass ihre Kunst nach ihrem Tod zerstört werden sollte, kann man einige ihrer Werke heute noch im Salzlandmuseum bestaunen.

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Siri Hustvedt

🎂 geboren: 19. Februar 1955 in Northfield, MN

Siri Hustvedt ist die Erstgeborene ihrer Eltern und hat vier jüngere Schwestern. Sie wuchs sowohl mit Englisch, als auch Norwegisch auf und wusste bereits als Teenagerin, dass sie Schriftstellerin werden wollte. So begann sie auch schon in der High School, Gedichte zu schreiben. 1986 machte die ihren PhD in englischer Literatur.
Hustvedts erstes Buch ist eine Sammlung von Gedichten, die noch aus ihrer Studienzeit stammen. Erst 12 Jahre später erscheint ihr erster Roman „Die unsichtbare Frau“. Nach sechs weiteren Erscheinungen schrieb sie „Die zitternde Frau. Eine Geschichte meiner Nerven“, in dem sie ein Zittern beschreibt, das bei einem ihrer Auftritte erschien. Auf der Suche nach dessen Ursache referiert sie neurologische und psychologische Thesen. Dieses Themenfeld beschäftigt sie seither, sie geht einem Eigenstudium in Neurowissenschaften nach, schreibt neurowissenschaftliche Artikel und unterrichtet Ärzte in narrativer Psychiatrie. Hustvedt kritisiert seit Langem den Dualismus in der Wissenschaft, der eine Trennung zwischen dem Geistlichen und dem Physischen vorgibt. Für sie gibt es keine scharfe Grenze zwischen beidem; die Tendenz zur Kategorisierung wird von ihr bemängelt.
Seit 2019 ist sie Preisträgerin des Prix européen de l’essai Charles Veillon und des Prinzessin-von-Asturien-Preis.

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Hilma af Klint

🎂 geboren: 26. Oktober 1862 in Solna
🪦 gestorben: 21. Oktober 1944 in Djursholm

Hilma wird als vierte Tochter eines geadelten Befehlshabers der schwedischen Flotte geboren, der in ihr die Leidenschaft für Wissenschaft und Malerei erweckte. Ihre Eltern waren sehr liberal, sie und ihre Geschwister bekamen eine gute Schulbildung in Naturwissenschaften und auch in der Religion wurden große Freiheiten eingeräumt. Die Errungenschaften in allen Bereichen der Wissenschaft im 19. und Anfang des 20. Jhd. faszinierten Hilma af Klint sehr, und wie viele Menschen dieser Zeit glaubte auch sie, dass man irgendwann das Unsichtbare sichtbar machen könne, beispielsweise auch Verbindungen zum Jenseits. So nahm sie nach dem Tod ihrer kleinen Schwester Hermina, die zu dem Zeitpunkt gerade erst zehn war, oft an Séancen teil, um mit ihr in Verbindung zu bleiben.
Als eine der ersten Frauen beginnt sie ein Kunststudium in Stockholm, wo sie Anna Cassel kennen lernt. Sie teilt Hilmas Überzeugung, dass Diesseits und Jenseits miteinander verbunden und es keine klare Trennung zwischen beiden gibt. Diese Freundschaft sollte ein Leben lang erhalten bleiben. Zunächst verdiente sie Geld mit klassisch akademischer Malerei und unternahm mit Anna viele Studienreisen durch ganz Europa. Nach und nach bildete sich eine riesige okkultistische Gesellschaft in Europa, Hilma und ihr gegründeter Zirkel unternehmen mittlerweile selbst Séancen, von denen eine Hilmas Leben mit der Botschaft, sie sollte auf einer „Astralebene“ malen, radikal auf den Kopf stellen sollte. Seitdem malt sie abstrakt – unfiguriativ – lange bevor Kandinsky sein erstes figurenloses Bild anfertigt.
Mit einer vierjährigen Pause wegen einer Schaffenskrise verursacht durch die überhebliche Abneigung von Rudolf Steinar, in dessen Anthroposophische Gesellschaft sie eingetreten war, malte Hilma af Klint mit ihrer „Dualseele“ Thomasine Andersson an der Seite bis ins hohe Alter hinein. Später wandte sie sich allerdings vom Spiritistischen ab und legte den Fokus auf die Natur und verborgene Botschaften der Pflanzen.
Erst 2018 wurde sie als abstrakte Künstlerin wiederentdeckt und stellte damit die Kunstszene auf den Kopf, die stets Kandinsky als den Schöpfer des Abstrakten sah.

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Hedwig Krüger

🎂 geboren: 01. April 1882 in Halle (Saale)
🪦 gestorben: 16. Februar 1938 ebenda

Hedwig Krüger wurde als Tochter eines Gießerei-Formenbauers geboren. Nach einer regulären Schulkarriere arbeitete sie bei einer Ortskrankenkasse. 1908 trat sie der SPD bei; sie wechselte noch während des ersten Weltkrieges in die frisch gegründete USPD, wo sie dem linken Flügel angehörte. Dieser verbündete sich 1920 mit der KPD zur VKPD. Hier wurde sie zum Zentralausschuss der Partei gewählt.
Sie wurde nach der Märzaktion, einer bewaffneten Arbeiterrevolte linksradikaler Kräfte im weiten Raum Halle, zu einer Haftstrafe verurteilt, erzwang aber ihr eFreilassung durch einen Hungerstreik. Anfang 1924 wurde sie in den Reichstag gewählt, Ende des Jahres in den Preußischen Landtag. Sie positionierte sich innerparteilich um Ruth Fischer, unterstütze diese zunächst auch gegen die Parteiführung, distanzierte sich später jedoch öffentlich von dieser Position auf Druck des Zentralkomitees. In ihrer Wohnung veranstaltete sie allerdings weiterhin Treffen für Oppositionelle innerhalb der Partei.
Ab 1928 wurde sie nicht mehr als Kandidatin für die preußischen Landtagswahlen aufgestellt und übernahm innerhalb der KPD auch keine ausschlaggebende Rolle mehr; nach 1933 ging sie in die Illegalität. 1934 dann wurde sie verhaftet und in das Frauen-KZ Mohringen gebracht. Im Jahr darauf wurde sie zwar entlassen, starb aber bereits 3 Jahre später an einer verschleppten Blinddarmentzündung.

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Erna Lauenburger (Sintiname: Unku oder Unko)

🎂 geboren : 04. März 1920 in Berlin
🪦 gestorben: zwischen dem 23. März und 15. April 1944 im sogenannten „Zigeunerlager“ Auschwitz

Erna war in ihrer Kindheit mit Greta Weiskopf (Kinder- und Jugendbuchautorin) befreundet. Aus dieser Freundschaft nahm Letztere Inspiration für den Roman „Ede und Unku“. Die Fotos im Buch zeigen Ernas reale Familie, auch sonst beruhen einige Geschichten im Roman auf wahren Begebenheiten.
In den 1930er Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Magdeburg um, dort lassen sich die rassistischen Repressionen und ihre Deportation belegen.
Ihr Mann, mit dem sie nicht standesamtlich verheiratet war und im sogenannten „Zigeunerlager“ Magdeburg Holzweg wohnte, wurde 1938 ins KZ Buchenwald deportiert; dort starb er 1942 durch eine Injektion, nachdem er als Teil der unbehandelten Kontrollgruppe des Robert-Koch-Instituts eine Fleckfieberinfektion überlebt hatte.
Erna gebar im August 1938 die Tochter Marie, 1939 musste sie ein Schriftstück unterschreiben, das ihr verbot, den Wohnort zu verlassen. Im September 1942 gebar sie eine zweite Tochter. Zusammen mit den anderen 160 Bewohner*innen des „Zigenuerlager“ Magdeburg Holzweg wurde sie am 01. März 1943 verhaftet und ins „Zigeunerlager Auschwitz“ gebracht.
Zeitzeug*innen berichteten, dass Unku den Tod von Marie nicht verkraftet hatte und ermordet wurde. Es gab verschiedene Aufarbeitungen, unter anderem das Buch „Ede und Unku – die wahre Geschichte“ des Enkels von Unkus Cousine Janko Lauenberger und der Journalistin Juliane Wedermeyer.

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Edmonia Lewis

🎂 geboren: 04. Juli 1844 in Greenbush, NY
🪦 gestorben: 17. September 1907 in Hammersmith, London

Edmonia Lewis war die Tochter einer Native American und eines Afro-Amerikaners. Das legte ihr viele Steine in den Weg, weswegen ihr Werk umso bemerkenswerter ist.
Als sie drei Jahre alt war, starb ihr Mutter und sie wuchs bei deren Verwandten auf und lernte so die Bräuche der Natives. Später schaffte sie es, mit Hilfe ihres Bruders am Oberlin College aufgenommen zu werden; dort blieb sie allerdings nicht lange, da ihr von Kommilitoninnen ohne Beweise vorgeworfen wurde, sie vergiften zu wollen.
Mit 18 zog sie nach Boston um, dort ging sie beim Bildhauer Edmund Brackett in die Lehre. Sie erzielte erste Erfolge mit einer Skulptur von Robert Gould Shaw (erster Schwarzer, der ein Regiment im amerikanischen Bürgerkrieg führte), was sie dazu befähigte, nach Rom zu reisen. Dort formte sie ihren Stil und fertigte die gefeierte Skulptur „Forever Free“ an, eine Sklavin und ein Sklave, die gerade die Nachricht erhalten, dass die Sklaverei abgeschafft wurde.
Trotz des Umstandes, dass ihre Arbeit kontrovers aufgenommen wurde, erhielt sie immer weiter Aufträge, sowohl in den USA, die sie sporadisch besuchte, als auch von europäischen Adelshäusern; später arbeitete sie vermehrt für die römisch-katholische Kirche.
Ab 1900 verlor sich ihre Spur für viele Jahre, erst neueste Forschungen ergaben, dass sie in Hammersmith lebte und im dortigen Krankenhaus starb.

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Maryam Mirzakhani

🎂 geboren: 03. Mai 1977 in Teheran
🪦 gestorben: 14. Juli 2017 in Stanford, CA

Maryam Mirzakhani wuchs in einem liberalen Elternhaus in Teheran auf. Als Kind las sie äußerst viel, wollte eigentlich Schriftstellerin werden und Mathematik war in der Schule nicht ihr stärkstes Fach. Das änderte sich jedoch, nachdem ihr Bruder ihr eine Geschichte von Carl Friedrich Gauß erzählt hatte, der eine sehr elegante Lösung für die Addition aller natürlicher Zahlen von 1 bis 100 fand.
Daraufhin nahm sie an Mathematikwettbewerben teil, was bis dahin für Mädchen nicht vorgesehen war. Bald gehörte sie zum sechsköpfigen iranischen Team für die Internationale Mathematik-Olympiade. 1994 in Hongkong machte sie auf sich aufmerksam, als sie mit 41 von 42 möglichen Punkten Gold gewann, ein Jahr später sogar mit der vollen Punktzahl.
Nach ihrem Schulabschluss erhielt sie ein Stipendium für ein Mathematik-Studium in Teheran, was sie mit einem Bachelor abschloss. 1999 verließ sie ihr Heimatland und zog für ihren Master und die Promotion in die USA. Ihr Doktorvater an der Harvard University war Curtis McMullen, Gewinner der Fields-Medaille 1998. Dieser bezeichnet ihre 2004 eigereichte Dissertation als Meisterwerk. „Nebenbei“ fand sie Lösungen zu zwei seit Jahrzehnten ungelösten Forschungsfragen. In Harvard lernte sie ihren späteren Ehemann Jon Vondrák kennen.
Daraufhin forschte sie bis 2008 am Clay Mathematics Institute in Cambridge als Stipendiatin, gleichzeitig hat sie eine Juniorprofessur an der Princeton University inne. In dieser Zeit lernte sie ihren Kollegen Alex Eskin kennen, mit dem sie bemerkenswerte Arbeit leisten sollte. 2005 heiratete sie ihren Ehemann. 2008 zogen sie nach Kalifornien, da Maryam eine ordentliche Professur für Mathematik an der Stanford University erhielt – und das mit nur 31 Jahren. Bei ihrer Forschungsarbeit unterschied sie sich von den meisten ihrer Koleg*innen, da sie verschiedene Bereiche der Mathematik miteinander verknüpfte und sich so ein breiteres Lösungsspektrum eröffnete.
Maryam Mirzakhani wurde mit einigen Preisen ausgezeichnet, u. A. dem renommierten Satter Prize und 2014 als erste Frau mit der Fields-Medaille, bevor sie 2017 mit nur 40 Jahren an Brustkrebs verstarb.

Zusatzinfo aus aktuellem Anlass: Als ihr die Fields-Medaille verliehen wurde, gratulierte ihr sogar der iranische Staatspräsident mit einem Tweet und zwei Bildanhängen: eines von Maryam mit Kopftuch und ein aktuelleres ohne und mit kurzen Haaren. Schon damals löste das eine Debatte aus und ihr wurde von Strenggläubigen mit Verhaftung gedroht, sollte sie je wieder den Iran betreten.

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Anja Niedringhaus

🎂 geboren: 12. Oktober 1965 in Höxter, Nordrhein-Westfalen
🪦 gestorben: 04. April 2014 in Banda Khel, Afghanistan

Anja Niedringhaus begann schon mit 17, für eine Lokalzeitung zu arbeiten. Bereits nach ihrem Abitur 1986 flog sie nach Indien für die Kindernothilfe. Ab ’86 studierte sie auch Germanistik, Philosophie und Journalismus, zeitgleich schrieb sie für das Göttinger Tageblatt.
1990 war sie in Berlin beim Fall der Mauer dabei, den sie auch fotografisch dokumentierte. Diese Bilder brachten ihr als erste Fotografin eine Festanstellung bei der European Pressphoto Agency ein. Es folgten zwei Jahre Fotografie in Sport und Gesellschaft, 1992 wurde sie dann in den erst kurz zuvor begonnenen Krieg in Jugoslawien geschickt. Das erste Mal unter Feuer genommen und verletzt wurde sie bei ihrem ersten Einsatz in Sarajewo, was sie dank einer kugelsicheren Weste überlebte. Es folgten Verletzungen in Belgrad, im Kosovo und im Grenzgebiet zwischen Kosovo und Albanien.
Auch die Folgen der Terroranschläge des 11. September 2001 in New York hielt sie auf Bildern fest. Daraufhin berichtete sie das erste Mal aus Afghanistan vom Sturz der Taliban. 2003 und 2004 gehörte sie zu den etwa 600 Reporter*innen, die von der Schlacht um Falludscha/Irak direkt aus dem Inneren der US-Armee berichteten. Sie erlebte die erste Angriffswelle hautnah, 60% der sie begleitenden Soldaten fielen. Sie schoss auch das wohl bekannteste Foto dieses Krieges, nämlich den damaligen US-Präsidenten George W. Bush, der zu Thanksgiving verdeckt eingeflogen worden war. Sie war die Einzige, die die Szenerie fotografiert hatte.
Für ihre Arbeit aus den Krisengebieten erhielt sie 2005 als erste deutsche Frau den Pulitzerpreis. Weiterhin fotografierte sie wichtige Sportereignisse.
Anja Niedringhaus wurde 2014 einen Tag vor der Präsidentschaftswahl in Afghanistan an einem Sicherheitsstützpunkt von einem Polizisten aufgrund persönlicher Motive erschossen.

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Helene Nonné-Schmidt (geb. Helene Frieda Nonne)

🎂 geboren: 08. November 1891 in Buckau (Magdeburg)
🪦 gestorben: 07. April 1976 in Darmstadt

Helene Nonné-Schmidt war die Tochter des Ingenieurs Franz Nonne und seiner Ehefrau Leokadya Koterwas. Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule Magdeburg besuchte sie die Königliche Kunstschule zu Berlin, wo sie ein Examen als Zeichenlehrerin machte. Während des ersten Weltkrieges arbeitete sie als Kinderfürsorgerin. Ihr Studium setzte sie dann nach Kriegsende fort und machte das zweite Examen zur Werklehrerin. Danach arbeitete sie als Lehrerin für beide Fächer in Berlin und Magdeburg. Nach dem Besucht der Bauhaus-Ausstellung 1923 in Weimar beschloss sie, dort weiter zu studieren. Das sonst erforderliche Vorstudium wurde ihr erlassen und sie fing direkt in der Weberei-Werkstatt an. Sie lernte den Jungmeister Joost Schmidt kennen, beide heirateten 1925 und zogen mit dem Bauhaus nach Dessau. 1930 machte sie das Bauhausdiplom unter Paul Klee und Gunta Stölzl, dann arbeitete sie als Kunsterzieherin. Während der Zeit des Nationalsozialismus hatte ihr Mann Arbeitsverbot, sie arbeitete an Gelegenheitswerken. Nach 1945 war sie kurz in München, dann im Allgäu, bis Max Bill sie nach Ulm an die Hochschule für Gestaltung (inoffizieller Nachfolger des Bauhaus). Zusammen mit den ehemaligen Kollegen ihres inzwischen verstorbenen Mannes unterrichtete sie die Grundkurse, bis sie 1961 nach Darmstadt an den Sitz des ersten Bauhaus-Archivs zog, wo sie das Buch über ihren Mann recherchierte, das allerdings erst nach ihrem Tod erschien.

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Katharina von Oheimb (Katharina Franziska Paula Maria „Kathinka“ von Kardorff-Oheimb, geb. van Endert)

🎂 geboren: 02. Januar 1879 in Neuss, NRW
🪦 gestorben: 22. März 1962 in Düsseldorf

Katharina von Kardorff-Oheimb war die Tochter des Seidenwaren- und Möbelfabrikanten Rudolf van Endert und seiner Frau Elisabeth, sie hatte acht Geschwister. Ihr Vater starb, als sie noch jung war, ihre Mutter führte das Unternehmen weiter. Sie wurde privat von Oberlehrerinnen unterrichtet, bis sie das Abitur an einem Gymnasium schrieb und bestand. Darauf folgte ein Besuch der Klosterschule der Ursulinen in Lyon. Mit ihrer Mutter und den beiden Schwestern unternahm sie Bildungsreisen durch Europa.
Katharina heiratete in ihrem Leben vier Mal, aus den ersten beiden Ehen gingen insgesamt sechs Kinder hervor.
Viel spannender ist jedoch ihre politische Karriere und das damit verbundene Engagement. Nach dem ersten Weltkrieg trat sie der Deutschen Volkspartei bei, war danach bei der Gründung des Nationalverbandes deutscher Frauen und Männer dabei, leitete Ausbildungskurse zur politischen Emanzipation von Frauen und dozierte an einer Berliner Hochschule.
Sie war für vier Jahre eine der 36 Frauen von 466 Abgeordneten im Reichstag ab 1920. Sie vertrat den Wahlkreis Magdeburg. Sie trat aus ihrer Partei aber aus, als diese sich für einen anderen als den von ihr befürworteten Kandidaten für die Reichspräsidentschaft aussprach, und trat der Wirtschaftspartei für drei Jahre bei. 1930 war sie Vorsitzende der Nationalen Arbeitergemeinschaft, 1931 Schriftführende für das Pro Palästina Komitee. In der gesamten Zeit der Weimarer Republik hatte sie einen enorm bedeutsamen politischen Salon in Berlin, wo sie Kontakte in Politik, Militär und Wirtschaft knüpfte. Zwölf Jahre während der NS-Zeit war sie politisch inaktiv, nachfolgend wurde sie kurzzeitig als Bürgermeisterin eingesetzt und trat in die Liberaldemokatische Partei ein. Außerdem war sie Vorsitzende der LDP-Frauenarbeitsgemeinschaft in Berlin.
Sie schrieb bis 1919 für die Magdeburgische Zeitung und gründete die Allgemeine Bilderzeitung.

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Annette Otterstedt (Dr. phil.)

🎂 geboren: 23. September 1951 in Erlangen
🪦 gestorben: 06. September 2020 in Berlin

Annette Otterstedt hatte keinen leichten Start. Aufgrund einer Fahrlässigkeit ihres damaligen Kinderarztes, der eine Flasche Salpetersäure unbeaufsichtigt offen hatte stehen lassen, erlitt sie eine schwere Verätzung, die so über 20 Jahre mit Operationen und regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen begleitete. Ihre Eltern versuchten daraufhin, sie zu verstecken soweit es ging, ihr Vater weigerte sich trotz offensichtlichen Vermögens später, ihren Unterhalt zu zahlen. Allen Widrigkeiten zum Trotz studierte sie nach ihrem Abitur in Hamburg ab 1971 in Berlin sowohl Musikwissenschaft, als auch Musikethnologie und Judaistik. Ihre Promotion, die sie 1989 mit summa cum laude abschloss, schrieb sie über die Lyra Viol, ein in England erfundenes hochkomplexes Streichinstrument der Gambenfamilie (ähnlich der Violinfamilie, mit etwas verschiedener Bauweise und Haltung). Sie ließ dieses, so wie weitere ähnliche Instrumente präzise nach historischem Vorbild nachbauen und spielte sie auch leidenschaftlich gern. Annette Otterstedt brachte es zu über vierzig Jahren Konzert- und Komponistinnen-Karriere. Als Anerkennung war sie Ehrenmitglied der Viola la Gamba Societ of Great Britain. Ab 1991 arbeitete sie als Kuratorin am Musikinstrumente-Museum Berlin für Instrumente bis zum 19. Jahrhundert, exklusive der Tasteninstrumente. Sie schrieb auch Bücher über die Gambe, sowie eine Monographie.
Sie starb letztendlich an den Langfolgen der Museumsluft, die sie einmal untersuchen ließ, worauf eine bis zu 100.000-fach erhöhte Keimbelastung festgestellt wurde. Sie wurde nur 64 Jahre alt.

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Luise F. Pusch (Frohmut Pusch)

🎂 geboren: 14. Januar 1944 in Gütersloh

Luise Pusch studierte in Hamburg Anglistik, Lateinistik und Allgemeine Sprachwissenschaft. Sie promovierte 1972 in Anglistik und schrieb ihre Habilitation im Fach der Sprachwissenschaft. Seit 1979 ist die feministische Linguistik ihr Forschungsschwerpunkt, zu dem sie auch bis heute regelmäßig veröffentlicht.
Sie gilt als die Erfinderin der Genderpause, denn nachdem sie sich zunächst für das Entgeschlechtlichen von Bezeichnungen (bspw. die Professor) einsetzte, hatte sie den Gegenwind bereits vorausgeahnt und brachte das Binnen-I ins Gespräch (ProfessorIn). Sie hatte Lehraufträge in Hannover und Duisburg inne, sowie eine außerplanmäßige Professur an der Universität Konstanz und eine Vertretungsstelle an der Uni Münster für Frauenforschung.
Ihr Einsatz für geschlechtergerechte Sprache schlägt sich in Vorträgen, Aufsätzen und Workshops nieder. Außerdem schreibt sie auch seit 1982 ab einer Frauenchronik, und verfasste für FemBio.org (von wo auch einige der hier aufgeführten Informationen stammen) weit über 30.000 Biografien, von denen aktuell noch weniger als die Hälfte öffentlich zur Verfügung stehen.
Sie lebt mit ihrer Ehefrau zweitweise in Hannover und in Boston.

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Maria Reiche

🎂 geboren: 15. Mai 1903 in Dresden
🪦 gestorben: 08. Juni 1998 in Lima, Peru

Maria Reiche studierte zunächst Mathematik, Physik, Geografie, Philosophie und Pädagogik in Hamburg, mit dem Ziel, Lehrerin zu werden, als 1926 die Linien auf dem Boden von Nazca. Wegen der aufkommenden nationalsozialistischen Strömungen und dem einhergehenden Hass verließ sie Deutschland und schlug sich in Peru zunächst als Hauslehrerin und Übersetzerin durch. Dann lernte sie Professor Paul Kosok kennen, einen amerikanischen Wissenschaftler, der sie damit beauftragte, die merkwürdig geraden Linien zu untersuchen und zu vermessen. Er hielt die Muster auf dem Boden für eine Art landwirtschaftlichen Kalender.
Über vierzig Jahre verbrachte sie mit diesen Kulturstätten, vermaß sie, dokumentierte sie und ließ sich sogar an die Kufen von Hubschraubern schnallen, um die bestmöglichen Bilder machen zu können.
Sie schrieb Bücher, durch die sie, mit Unterstützung ihrer Lebensgefährtin, Wachpersonal und später auch einen Aussichtsturm finanzieren konnte. Ihr Einsatz für die Erhaltung der Bilder von Nazca mündete 1978 in den Schutz durch Peru, und 1994 auch zur Erklärung als Welterbe der Menschheit durch die UNESCO.
Als Dank erhielt Maria Reiche bis zu ihrem Lebensende freie Kost und Logis in einem Hotel in Nazca, und wurde mit Ehrendoktortiteln und der peruanischen Staatsbürgerschaft gewürdigt.

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Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray

🎂 geboren: vermutlich 1980 in Bremen

Reyan Sahins Eltern stammen aus der Türkei und gehören einer Glaubensminderheit an, sie wanderten vor ihrer Geburt nach Deutschland ein. Sie schloss das Abitur ab und hatte bereits mit zwölf Jahren angefangen zu Rappen.
Sie studierte in Bremen Linguistik und Germanistik und schloss 2005 mit Magister ab. Ihr Institutsleiter veröffentlichte ihre Magisterarbeit „Jugendsprache anhand der Jugendkultur Hip-Hop“ in einer Anthologie. Sie promovierte 2012 mit der Arbeit „Die Bedeutung des muslimischen Kopftuchs in Deutschland“. Für die Dissertation erhielt sie 2013 den Studienpreis in der Fächergruppe Geistes. und Kulturwissenschaften.
Sie war beruflich für den WDR tätig, der nach vier Jahren Zusammenarbeit diese allerdings beendete, da Reyan einen Song veröffentlicht hatte, der nach Aussage des WDR „pornographische Inhalte“ transportieren würde – in dem Song geht es um eine fiktive Orgie mit anderen Rappern der Zeit. In den folgenden Jahren veröffentlichte sie immer wieder Texte und Songs, in denen sie andere Rapper, aber auch Popsängerinnen wie Sarah Connor beschimpfte. Es folgten ebenso kontroverse Fernsehauftritte.
2009 ließ sie eine Karrierepause verlauten, 2012 gab sie eine schwere Depression bekannt. Ihr Buch „Yalla, Feminismus“ erschien 2019 und sie wurde 2021 von der Linken in Bremen als Mitglied der 17. Bundesversammlung nominiert.

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Nikki de Saint Phalle (Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle)

🎂 geboren: 29. Oktober 1930 bei Paris
🪦 gestorben: 21. Mai 2002 in San Diego

Niki war die Tochter eines durch den Börsencrash von 1929 verarmten Bankiers, stammend aus einem alten französischen Adelsgeschlecht, und seiner amerikanischen Frau. Sie wuchs in den USA auf und besuchte neun Jahre lang die Klosterschule Sacré-Cœur in New York. Nach eigener Aussage wurde sie, seit sie elf war, über Jahre von ihrem Vater sexuell missbraucht. Infolgedessen wurde sie einige Monate streng psychiatrisch beaufsichtigt und gelangte so zur Kunst, sie war ihre „Erlösung“.
Jung heiratete sie heimlich ihren Jugendfreund, mit dem sie zwei Kinder hatte. Anfang der 1950er Jahre kehrte sie nach Paris zurück und machte vier Jahre später als Aktionskünstlerin auf sich aufmerksam. Sie erstellte sogenannte „Schießbilder“, Gipsreliefs mit eingearbeiteten Farbbeuteln, die während der Vernissage zerschossen wurden. Nach ihrer Scheidung 1960 folgten Happenings und Ausstellungen, und ab 1965 die ersten „Nanas“, für die sie bekannt wurde – Frauenfiguren mit üppigen Körperformen. Ein weiteres bekanntes Werk war „Hon“ (schwedisch sie), eine 29 Meter lange Skulptur, die durch die Vagina betreten wurde und in deren Inneren sich unter Anderem eine Bar befand.
Sie stellte ihre Skulpturen im MoMA in New York aus, in München, Hannover, Paris, Amsterdam und weiteren Städten.
Sie gehörte zu den Gründungs-Austellerinnen der Bundeskunsthalle in Bonn, auf dessen Dach sie teilweise begehbare Großplastiken stellen ließ.

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Eva Schulze-Knabe

🎂 geboren: 11. Mai 1907 in Pirna, Sachsen
🪦 gestorben: 15. Juli 1976 in Dresden

Nach einem Studium in Leipzig und danach in Dresden, trat damals noch Eva Knabe der Künstlergruppe ASSO (Assoziation revolutionärer bildender Künstler) und 1931 auch der KPD. Im gleichen Jahr heiratete sie Fritz Schulze, einen gleichgesinnten Künstler. Sie war bekannt für ihren Kampf gegen den Nationalsozialismus und versuchte zusammen mit ihrem Mann die Strukturen der KPD im Untergrund aufrecht zu erhalten. 1933 wurde sie das erste Mal verhaftet, blieb ein halbes Jahr in Gefangenschaft und wurde dann jedoch freigesprochen. 1941 jedoch flog die Gruppe auf, ihr Mann wurde im Jahr darauf hingerichtet, sie selbst erhielt lebenslänglich im Zuchthaus.
Nach ihrer Befreiung 1945 war sie Dresdner Freischaffende und beteiligte sich künstlerisch am Aufbau der DDR. Politisch setzte sie sich immer für die absolute Gleichberechtigung der Frau ein.
Ihr Werk besteht hauptsächlich aus Porträts, auch im Zuchthaus zeichnete sie sich selbst mit scharfen Gesichtszügen voller Angst und von Hunger und Krankheit geprägt. Ihre Bilder zeigen zumeist ernste, zuweilen verschlossene Personen, entgegen des sozialistischen Realismus.
Aber auch Landschaftsbilder ihrer Heimat in Sachsen malte sie häufig in expressionistischer Form.

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Betye Irene Saar

🎂 geboren 1926

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Elke Schilling

🎂 geboren 1944

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Franziska Schutzbach

🎂 geboren 1978

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Amrita Sher-Gil

🎂 geboren 1913
🪦 gestorben 1941

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Huda Shaarawi

🎂 geboren 1879
🪦 gestorben 1947

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Ethel Smyth

🎂 geboren 1858
🪦 gestorben 1944

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Christina Thürmer-Rohr

🎂 geboren 1936

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Lydia Wahlström

🎂 geboren 1869
🪦 gestorben 1954

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Berta Waterstradt

🎂 geboren 1907
🪦 gestorben 1990

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Liselotte Welskopf-Henrich

🎂 geboren 1901
🪦 gestorben 1979

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